Warum der Garten ein guter Konzertort ist

Ein Blogbeitrag von Malwina Aram-Sosnowski in Zusammenarbeit mit Lukas T (Basel, 17.04.2025)
Foto: Privat, Gartenkonzert im Ramsteinerhof, Basel. Sommer 2021


Gärten und Musik sind seit Jahrhunderten ein eingespieltes Duo. Schon in meinem ersten Blogbeitrag „Eine Zeitreise durch musikalische Gartenkulissen“ habe ich beschrieben, wie eng diese Verbindung in unserer Kulturgeschichte verwoben ist. Doch heute möchte ich der Frage nachgehen: Was macht den Garten eigentlich zu einem so besonderen Konzertort?

Raus aus der Isolation – hinein ins Lebendige

Als 2020 das öffentliche Leben plötzlich stillstand und die Konzertsäle ihre Türen schlossen, wurde mir bewusst, wie sehr Musik von Raum lebt – und wie begrenzend Wände und Decken sein können. Ich suchte während der Pandemie nach neuen Bühnen, nach Orten mit Weite und Luft. Was ich fand, war der Garten. Und mit ihm öffnete sich nicht nur ein neuer Konzertort, sondern auch ein neues Erleben – für mich und für mein Publikum. Denn in einem stimmungsvollen, lebendigen Umfeld wie dem Garten kann die Musik auf besondere Weise wirken: Sie wird nicht nur gehört, sondern gespürt. Sie bewegt – und wird von der Umgebung bewegt. Der Kontext verändert die Wahrnehmung, und so wird auch die Musik selbst neu erlebt.


Ein Konzert unter Sternen

Ein Gartenkonzert ist mehr als ein Konzert im Grünen. Es ist ein Erlebnis, das Sinne anspricht: Vom Geruch nach Gras bis zum Licht der Sonne. Die Kulisse verändert sich mit der Jahreszeit, mit dem Wetter, mit dem Ort – kein Konzert gleicht dem anderen. Und genau das macht den Reiz aus: der Zufallsmoment der Natur, der den Rahmen bestimmt und mitgestaltet. Wenn bei Vivaldi plötzlich der Wind bläst, oder bei einem Tango Blätter in Bewegung kommen, wird der Moment einzigartig. Auch die Möglichkeit, neue Musik in dieser natürlichen Atmosphäre zu entdecken, schafft besondere Erlebnisse.

Wie der Gärtner, so der Garten.
(Hebräisches Sprichwort)


Gärten erzählen Geschichten. Von den Menschen, die sie pflegen. Von Ideen, die gewachsen, geschnitten, verwelkt und wieder neu ausgetrieben sind. Ob wild wuchernd oder akkurat gestutzt, naturbelassen oder aristokratisch – jeder Garten ist einzigartig. Und genau wie der Garten, so ist auch jedes Konzert ein Unikat. Das Programm entsteht im Einklang mit dem Ort. Musik und Umgebung treten in einen Dialog, der spontan, lebendig und oft überraschend ist.

Beim Gartenkonzert mit Blick auf Lavendel in Basel (CH). Photo: Andrea C. Holzner/Gartenkonzerte 2023

Beim Wandelkonzert in Liestal (CH), 2024
©gartenkonzerte.ch


Nahbare Begegnung zwischen Musik und Publikum

Die Atmosphäre im Garten ist eine andere. Sie ist nahbar, lebendig und bewegend. Es gibt keine Garderobenpflicht, kein starres Sitzraster, kein klassisches „Jetzt darf ich nicht husten“. Stattdessen bewegen sich Menschen zwischen den Pflanzen, setzen sich auf Klappstühle oder stehen unter einem Baum. Viele Gartenkonzerte, wie wir sie gestalten, sind als musikalische Spaziergänge konzipiert. Das Publikum wandelt durch den Garten, von Station zu Station, begleitet von Musik, die auf die jeweilige Umgebung abgestimmt ist. So entsteht ein erzählerischer, beinahe szenischer Ablauf, bei dem der Garten selbst zur Bühne wird.
Natürlich gibt es solche Konzepte auch in Konzertsälen – doch dort ist der Raum oft durch Stühle und Architektur klar definiert. Der Garten bietet dagegen Vielfalt: Offenheit, Bewegung, Nähe. Unsere Formate spielen genau mit dieser Offenheit. Wir laden zu Konzerten ein, die zwar professionell inszeniert sind – mit ausgezeichneten Musiker*innen, vielen aus der Klassik, aber auch Crossover-Elementen aus Jazz, Chanson oder Pop –, aber bewusst auf Nähe und Zugänglichkeit setzen. Ob eine Geigerin mit zwei Tänzern oder ein Familienkonzert mit interaktiven Elementen – der Garten wird immer Teil der Inszenierung.
Auch wenn unser Publikum nicht auf Decken am Baum Kaffee trinkt – wobei das sicher auch schön wäre – legen wir viel Wert auf Atmosphäre: Jeder Klappstuhl ist mit Trockenblumen geschmückt, die Bühne liebevoll ins Grün integriert, die Akustik durchdacht, trotz der Herausforderungen unter freiem Himmel. Diese Detailverliebtheit macht einen Unterschied – sie verbindet Professionalität mit Wärme.
Und manchmal entstehen Momente, die man nicht planen kann. Wenn zum Beispiel dunkle Wolken aufziehen, es in der Ferne blitzt, und das Konzert gerade in dem Moment endet, bevor der Regen einsetzt – dann wird selbst das Wetter Teil der Dramaturgie. Diese kleinen Zufälle verleihen dem Konzert eine Authentizität, die im klassischen Konzertsaal schwer zu erzeugen ist.


Ein Fest für die Sinne – und für die Gemeinschaft

Besonders berührend sind für mich die Konzerte in Privatgärten. Dort entsteht eine Atmosphäre, in der Gastgeberinnen und Publikum gemeinsam einen besonderen Moment gestalten. Die Gastgeberinnen und Gastgeber – oder wie ich sie oft nenne: die Konzertgartenbesiter:Innen – sind ein integraler Teil des Ganzen. Sie öffnen nicht nur ihren Garten, sie bringen ihre eigene Geschichte, ihre Gemeinschaft und ihre Persönlichkeit mit ein. Oft laden sie ihre Nachbarschaft ein, ihre lokale Community, und stehen an diesem Tag im Mittelpunkt – als Gastgeber eines kulturellen Ereignisses, das über den Gartenzaun hinausstrahlt.
Jeder Garten ist anders – von der Größe, der Lage, der Pflegeintensität, der Abgeschiedenheit. Und genau darin liegt der Reiz. Die Vielfalt der Orte spiegelt sich in der Vielfalt der Konzerte wider. Manche Gärten sind verwunschene Rückzugsorte, andere kleine Oasen mitten in der Stadt. Diese Individualität ist eine große Stärke – sie bringt neue Zielgruppen zusammen: Gartenliebhaberinnen und Musikliebhaberinnen. Zwei Welten, die sich gegenseitig bereichern.


Garten und Musik – ein harmonisches Zusammenspiel

Was braucht ein guter Konzertort? Akustik, Atmosphäre, Charakter. All das kann ein Garten bieten – auf seine ganz eigene, oft überraschende Weise. Er schenkt Raum für Kreativität, für neue Formen der Darbietung, für emotionale Nähe. Er lädt zum Entdecken ein – und macht aus dem Hören ein Erleben.
Deshalb ist der Garten nicht nur ein guter Konzertort, sondern oft sogar der bessere.
Die Reise durch Gärten, Klänge und Begegnungen ist für mich noch lange nicht zu Ende. Denn jeder Garten ist eine neue Bühne. Und jede Bühne ein neuer Klangraum voller Möglichkeiten.

Eine Übersicht aller Gartenkonzerte der Saison 2025 erhalten Sie mit unserem Flyer.

Weiterführende Informationen zu den Gartenkonzerten, Musiker:innen sowie Kontaktmöglichkeiten: www.gartenkonzerte.ch
Ein Blogbeitrag von Malwina Aram-Sosnowski in Zusammenarbeit mit Lukas T (Basel, 17.04.2025)